Analoge Fotografie - Digital Photographie

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Analoge Fotografie

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Analogfotografie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Analog-Fotografie)


Analogfotografie oder analoge Fotografie ist ein retronymer Begriff aus der Fototechnik und bezeichnet die Fotografie mittels Analogkamera auf fotografischem Film.

Inhaltsverzeichnis
• 1 Begriff
• 2 Hintergrund
• 3 Kulturwissenschaftliche Aspekte
• 4 Markt
• 5 Nutzung
• 6 Renaissance der Analogfotografie
• 7 Hybridfotografie
• 8 Literatur
• 9 Siehe auch
• 10 Einzelnachweise
• 11 Weblinks

Begriff
Zur Abgrenzung gegenüber den neuen fotografischen Verfahren der Digitalfotografie tauchte zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Begriff analoge Fotografie auf.[1]
Die Technik als analog zu bezeichnen, ist historisch falsch und resultiert aus einem Missverständnis. Die erste 'Digitalkamera' von Steven J. Sasson 1975 war eigentlich ein Still Video-Kamerasystem (SVC), also ein Apparat zur Speicherung von Video-Standbildern, bei dem das digitale Signal vom CCD-Sensor noch analog auf einem Magnetband (außerhalb der Kamera) gespeichert werden musste. Das Bild konnte anschließend nicht digital weiter verarbeitet, sondern lediglich auf einem Videobildschirm (z.B. TV-Gerät) gezeigt werden. Für eine elektronische Bildbearbeitung am Computer hätte diese analoge Information erst wieder mit einem Analog-Digital-Wandler digitalisiert werden müssen. Die Technik, die dem Pionier Steven Sasson zu jener Zeit zur Verfügung stand, war aber noch nicht so weit. 1981 entwickelte die Fa. Sony mit der Mavica (Magnetic Video Camera) den Prototyp einer SVC, mit der man die Digitalbilder auf einer analogen Video-Diskette innerhalb der Kamera speichern konnte. Es folgten danach kommerziell nutzbare Kamerasysteme u.a. von Canon (Prototyp im August 1984, marktreif im Juli 1986 mit dem Modell RC-701) und Nikon (Prototyp SVC im Herbst 1985, marktreif 1988 mit dem Modell QV-1000c), die auf diesem System basierten.
Es handelte sich streng genommen noch nicht um Digitalfotografie, denn zur digitalen Weiterverarbeitung musste nach wie vor ein Framegrabber verwendet werden, der das analoge Videosignal digitalisierte. Immerhin konnten die Bilddaten der Kamera bereits elektronisch mittels Telefon-Modem weitgehend verlustfrei innerhalb von Minuten an die Bildredaktionen versandt werden. Erst 1990 entwickelte die Fa. Kodak das erste voll-digitale Kamerasystem, bei dem die Bildinformation in digitaler Form gespeichert und direkt mittels Computer weiter verarbeitet werden konnte (drehen, spiegeln, skalieren, verfremden etc.). Diese Kamera für Berufsfotografen, eine Kodak DCS (ab 1991 Kodak DCS-100 genannt), basierte auf einer Nikon F3 Spiegelreflexkamera, die um die digitalen Komponenten erweitert wurde. Die digitale Speichereinheit war aber noch nicht innerhalb der Kamera realisiert und befand sich in einem separaten Modul, das an der Schulter getragen wurde. Noch im selben Jahr entwickelte die Fa. Logitech mit dem Fotoman (in den USA auch als Dycam vermarktet) die erste echte Digitalkamera für den Massenmarkt. Gleichzeitig erschien 1990 mit Adobe Photoshop das erste kommerzielle Programm zur digitalen Bildbearbeitung.
Um der Öffentlichkeit die neuartige Technologie zu erklären, verglich man sie in einigen Publikationen technisch mit der bis dahin verwendeten analogen Bildspeicherung der SVC. Durch Übersetzungsfehler und Fehlinterpretationen, sowie durch den bis dahin noch allgemein vorherrschenden Mangel an technischem Verständnis über die digitale Kameratechnik, bezeichneten einige Journalisten danach irrtümlich auch die bisherigen klassischen filmbasierten Kamerasysteme als Analogkameras.[2][3]
Der Begriff hat sich bis heute erhalten und bezeichnet nun fälschlich nicht mehr die Fotografie mittels analoger Speichertechnik in den ersten digitalen Still-Video-Kameras, sondern nur noch die Technik der filmbasierten Fotografie. Bei dieser wird aber weder digital noch analog 'gespeichert', sondern chemisch/physikalisch fixiert.

Hintergrund

Vergrößerer für Analogfotografie (Agfa Varioscop)
Eine Fotografie selbst kann weder analog noch digital sein. Lediglich die Bildinformation kann punktuell mittels physikalischer, analog messbarer Signale (Densitometrie, Spektroskopie) bestimmt werden. Nach der Belichtung des Films liegt diese Information nur latent vor. Gespeichert wird diese Information nicht in der Analogkamera sondern erst bei der Entwicklung des Films mittels chemischer Reaktion in einer dreidimensionalen Gelatineschicht (Film hat mehrere übereinander liegende Sensibilisierungsschichten). Die Bildinformation liegt dann als Unikat in Form von entwickelten Silberhalogeniden bzw. Farbkupplern vor.
Bei der digitalen Speicherung werden diese analogen Signale in einer zweiten Stufe digitalisiert und werden damit elektronisch interpretier- und weiterverarbeitbar. Die direkte digitale Bildspeicherung auf dem Chip der Digitalkamera arbeitet vereinfacht mit einer lediglich zweidimensional erzeugten digitalen Interpretation der Bildinformation und erzeugt eine beliebig oft (praktisch verlustfrei) kopierbare Datei in Form von differentiell ermittelten digitalen Absolutwerten. Diese Dateien werden unmittelbar nach der Aufnahme in Speicherkarten abgelegt.
Deshalb lassen sich einzelne fotografische Techniken, wie Doppelbelichtung oder Mehrfachbelichtung mittels Digitalfotografie bisher nur im post-processing, nicht aber bei der Aufnahme selbst realisieren.

Kulturwissenschaftliche Aspekte
Eine Fotografie wird subjektiv als gut, interessant oder beeindruckend, niemals aber digital oder analog empfunden. Für den Betrachter spielt das inzwischen kaum noch eine Rolle, weil der Unterschied bei kleinen Bildformaten nicht mehr erkennbar ist. Der Bildeindruck beim Betrachten einer Fotografie wird maßgeblich durch kulturelle und physiologische Faktoren bestimmt und nicht durch die dabei verwendete Speichertechnik. Kulturwissenschaftlich werden die beiden Techniken jedoch unterschiedlich behandelt:
• Für den Erzeuger des Bildes spielt es sehr wohl eine Rolle, ob er ein einmalig vorhandenes Original (das Dia/Negativ) in Händen hält oder lediglich eine digital reduziert binär codierte Beschreibung dessen, was als Bild erst wiederhergestellt werden muss.
• Die manuelle Herstellung einer klassischen Photographie stellt eine kulturelle Leistung dar; ein Handwerk, das unmittelbar an eine Reihe traditioneller und proprietärer Verfahren, Kenntnisse und Fertigkeiten im Studio, Atelier oder Fotolabor gekoppelt ist, ohne die das Bild letztlich nicht realisierbar wird. Mittels dieses Handwerks erzeugt man jedes Mal ein neues, unverwechselbares Original.
• Die kognitiv erfahrbare Information des Bildes liegt bei der Photographie jedem Betrachter unmittelbar vor. Eine Photographie, die unabhängig vom situativen Kontext aufgefunden wird, lässt sofort erkennen, dass es sich um eine Photographie handelt. Man hält das Dia/Negativ gegen das Kerzenlicht und erkennt: Eine Photographie! Damit wird der Zugang zum fotografischen Bild auch strukturschwachen Kulturkreisen überhaupt erst möglich.
• Eine auf einer DVD (oder älteren Speicherform) digital gespeicherte Bildinformation bedarf zur Basis-Interpretation zumindest einer kompatiblen digitalen Decodierungs-Struktur, die, zumindest was das Lesen des Speichermediums betrifft, als Hardware vorliegen muss. Diese notwendige Struktur unterliegt einer schnell wechselnden Entwicklung, der einzelne Kulturkreise in der Breite nicht ohne weiteres folgen können.
• Die Geschwindigkeit, mit der eine fotografische Bildinformation weltweit zur Verfügung steht, ist durch den Einsatz digitaler Netzwerke erheblich gestiegen, setzt letztere aber zwingend voraus.
Markt
Es existieren heute (2013) weltweit nur noch wenige Hersteller, die Kameras für die Analogfotografie produzieren; der Anteil am Gesamtmarkt hat sich inzwischen auf sehr niedrigem Niveau stabilisiert. Der Markt für das notwendige Verbrauchsmaterial (Filme, Fotopapier, Entwicklerchemikalien) sowie für die Dienstleistung der Filmentwicklung ist ebenfalls stark zurück gegangen, existiert aber nach wie vor.

Nutzung
Die Verwendung und Bedeutung als allgemein bildgebendes Instrument im Alltag tritt in den Industriestaaten immer weiter zurück. Einige Amateure und Hobbyfotografen sind aber den Schritt zur Digitalkamera nie gegangen und setzen die Analogfotografie wie gewohnt auch weiterhin ein.
Unter einigen professionellen Fotografen und Fine-Art-Künstlern sowie beim Einsatz von Großformatkameras genießt die Fotografie mit Analogkameras bis hin zur klassischen Ausarbeitung der Bilder im Fotolabor durchaus ein Dasein. Für die archivfeste Einlagerung von Bildmaterial über lange Zeiträume hinweg werden zum Teil auch heute noch professionelle Reprokameras mit Filmmaterial verwendet.
Wesentliches auch weiterhin bestehendes Anwendungsfeld der Analogfotografie ist daneben die professionelle Sofortbildfotografie. Sofort verfügbare Papierbilder sind außer im Kunstgewerbe namentlich noch bei der Dokumentation technischer oder juristischer Sachverhalte von Bedeutung. Sofortbilder (Papierbilder) können dabei grundsätzlich ebenso von digitalen wie von fotochemischen Bildaufzeichnungen her gewonnen werden. Einige Fotografen nutzen die analoge Sofortbildfotografie auch, um sowohl ein einmaliges Original als auch eine ungewöhnliche und besondere Bildwirkung zu erzielen.

Renaissance der Analogfotografie

Helac Fine Art. New York
Die Analogfotografie erfährt nur wenige Jahre nach ihrem vermeintlichen Ende als Kunstform eine Renaissance. In Ausstellungen für großformatige Fotografien tauchen mehr und mehr sogenannte Fine-Art-Prints auf. Es handelt sich meist um aufwändig hergestellte Handvergrößerungen.
Seit den 2010er-Jahren erfreut sich gewöhnliche Kleinbild-Fotografie, aber auch Mittelformat- und Sofortbildfotografie, steigender Beliebtheit als künstlerisches Hobby; der unperfekte Stil besonders alter Aufnahmen gilt selbst in der modernen Digitalfotografie als modisch und wird als inhaltliches Stilmittel eingesetzt.
Hybridfotografie
Zu Beginn der 2010er Jahre[4] entwickelte sich ein Trend, vorhandene Analogkameras auch professionell wieder für die Aufnahme auf Filmmaterial zu verwenden. Die entwickelten Negative werden dabei anschliessend nicht mehr in der Dunkelkammer vergrößert, sondern eingescannt, um diese danach digital weiter zu verarbeiten. Diese Technik der Hybridfotografie ist ein Teilbereich der Analogfotografie. Sie verbindet die Vorteile beider Systeme - digital und analog. Die schnelle und komfortable Speichermöglichkeit und die elektronische Weiterverarbeitung sowie die Möglichkeit, ein unverwechselbares Original in Händen zu haben und die hohe Auflösung und unregelmäßige Struktur klassischen Filmmaterials nutzen zu können. Für letzteres kommt dann gegebenenfalls als Option das klassische Fotolabor zur Anwendung. Inzwischen gibt es auch wieder Hersteller für neue Kameras innerhalb dieses Nischenmarktes.




 
 
 
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